Die Kugel aus Glas

Vor langer Zeit herrschte ein König über ein wunderschönes großes Land. Der König und sein Volk hätten glücklich sein können. Doch ein unheimliches Wesen, das hinter dreizehn Hügeln hauste, versetzte sie in Angst und Schrecken. Besonders in Mondnächten hörten sie sein Brüllen. Die Tochter des Königs wurde sogar krank vor Furcht.
"Wir müssen etwas unternehmen!", sprach die Königin.
"Unser Land müssen wir schützen, in eine Festung aus Eisen und Stahl verwandeln.", schlug ein Minister vor. "Das ist eine gute Idee. Fangt sofort damit an!", befahl der König.
"Halt! Unser schönes Land wird dadurch zerstört!" rief die Prinzessin.
Der König befahl, sofort mit der Zerstörung der Natur aufzuhören. "Doch was sollen wir tun?" fragte er. Die Königin meinte: "Schicke einen tapferen Mann zu dem unbekannten Wesen."
Im ganzen Land wurde nun nach einem mutigen Menschen gesucht, der das unheimliche Wesen töten sollte.
Ein Schmied wollte mit seinem Schwert das Ungeheuer unschädlich machen. Er machte sich auf den Weg über die dreizehn Hügel. Im Tal saß ein gewaltiger Riese. Der Schmied schlich sich an. Doch der Riese hatte ihn längst gesehen. Er packte das Schwert, zerbrach es und schrie: "Du wolltest mich töten! Fort mit dir! Sonst werde ich dich töten!" Schreiend lief der Schmied zum König zurück. Er klagte "Mit Waffen können wir nichts gegen den Riesen tun."
Nun meldete sich ein Seiler. Der wollte mit seinem Seil die Hände des Riesen binden. Bald kam er ins Tal des Riesen. Er schlich sich an, doch der Riese hatte ihn längst gesehen. Er zerriss das Seil. "Du wolltest mich fesseln! Fort mit dir! Ehe ich dich fessle! brüllte er. Schreiend lief  der Seiler zum König. Er jammerte: "Mit List kann man den Riesen nicht überwältigen."
"Ja, das ist ganz verkehrt", sagte ein Glasbläser. "Ich habe eine Kugel aus Glas geblasen. Ich werde sie dem Riesen als Geschenk meines Königs bringen, Er wird spüren, dass ich als Freund komme."
Der Glasbläser ging über die dreizehn Hügel. Unerschrocken näherte er sich dem Riesen. Er hielt ihm die Glaskugel entgegen. Der Riese wich vor der unheimlichen Waffe zurück. "Du brauchst keine Angst zu haben. Das ist ein Geschenk meines Königs. Es bringt dir den Frieden.", sprach der Glasbläser. "Frieden?" Der Riese lachte höhnisch. "Bis jetzt wollte mich dein König immer töten." Der Glasbläser antwortete "Er tat es, weil er Angst vor dir hatte. Er glaubte, du würdest uns alle töten."
Der Riese war traurig und konnte nicht verstehen, warum sie so etwas Schlechtes von ihm dachten.
"Weil du ein Riese bist und Riesen sind für viele unheimlich", antwortete der Glasbläser. Aufmunternd schenkte er dem Riesen die Kugel als Zeichen der Freundschaft.
Da nahm der Riese die Glaskugel behutsam in seine Hände. Sie begann zu leuchten und eine feine Melodie ertönte. Sogar im Land des Königs ertönte die Musik.
"Wir sollen kommen!" jubelte die Prinzessin. Alle Bewohner des Landes nahmen sich bei den Händen und folgten ihr.
Die Prinzessin ging zum Riesen und hielt ihm vertrauensvoll die Hände entgegen. Da ließ der Riese die gläserne Kugel in ihre Hände gleiten.
"Bewahre sie gut auf" sagte der Riese, "damit wir in Frieden miteinander leben können." "Das will ich  tun." Versprach die Prinzessin. Da mussten alle lächeln und begannen zu tanzen und singen. Der Riese war mitten unter ihnen.

                                                                                                                                                                                                                          

Das Zebra, dem seine Streifen davonliefen
geschrieben von Princessin

Es war einmal ein kleines Zebra, das lebte mit seiner Mama, seinem Papa und vielen, vielen Geschwistern in einem großen Land. Das Land hieß Afrika. Das kleine Zebra war sehr hübsch. Es hatte ein schönes weißes Fell, und auf dem Fell waren viele schwarze Streifen.
Leider war das kleine Zebra sehr unordentlich und wollte sich nicht gerne waschen. Jeden Morgen, wenn es mit seinen Geschwistern im Badezimmer war zum Waschen und Zähneputzen, trödelte es herum. Seine Mama sagte immer: "Kleines Zebra, du mußt dich schön sauber waschen". Aber das kleine Zebra hatte keine Lust, sich naß zu machen. Darum waren seine schwarzen Streifen bald nicht mehr schwarz, sondern braun und staubig und schmutzig.
Eines Morgens stand das kleine Zebra wieder im Badezimmer mit seinen Geschwistern, als seine Mama hereinkam. "Kleines Zebra, wie siehst du denn aus", rief die Zebra-Mama ganz entsetzt. Das kleine Zebra schaute in den Spiegel. Alle seine Streifen waren weg, es hatte nur noch ein schmutziges weißes Fell. Alle Geschwister vom kleinen Zebra fingen an zu lachen. "Hahaha", sagten sie, "du bist ja gar kein richtiges Zebra mehr. Wir wollen nicht mehr mit dir spielen".
Das kleine Zebra war sehr traurig. "Ich gehe, und suche meine Streifen wieder", sagte es zu seiner Mama. Das kleine Zebra machte sich auf den Weg und fragte viele, viele Tiere, ob sie denn seine Streifen gesehen hätten. Aber alle Tiere schüttelten den Kopf. Schließlich kam das kleine Zebra zum großen, alten Elefanten. Der Elefant fragte: "Nanu, wie siehst du denn aus?" "Ach", sagte das kleine Zebra, "ich habe mich nicht sauber gewaschen, und jetzt sind meine Streifen davongelaufen. Weißt du, wo ich sie finden kann"? Der Elefant überlegte und sagte dann: "Schau doch mal im Fluß nach, vielleicht sind deine Streifen dort und waschen sich".
Das kleine Zebra rannte ganz schnell zum Badeplatz am Fluß. Und tatsächlich, alle Zebrastreifen schwammen im Wasser und waren wieder schön schwarz. "Bitte, bitte", rief das kleine Zebra, "kommt doch wieder auf mein Fell. In Zukunft werde ich mich auch jeden Tag ganz sauber waschen. Fest versprochen"! Die Zebrastreifen schwammen ans Ufer und hüpften dem kleinen Zebra wieder aufs Fell. Es hat sich sehr gefreut, und ist ganz schnell wieder nach Hause gelaufen.
Sein Versprechen hat das Zebra auch gehalten. Es hat sich jeden Tag ganz sauber geschrubbt und gewaschen, und seine Streifen sind ihm nie wieder davongelaufen.

                                                                                                     

Das Vier-Farben-Land

Das Vier-Farbenland ist rund wie ein Pfannkuchen. Es besteht aus vier verschiedenen Farben. In einem Viertel ist alles grün: die Häuser, die Straßen, die Autos, die Erwachsenen und die Kinder.
Im zweiten Viertel ist alles rot: die Bäume, die Badewannen, die Eisenbahnen, die Erwachsenen und die Kinder.
Im dritten Viertel ist alles gelb: die Krankenhäuser, die Tiere, die Blumen, die Erwachsenen und die Kinder.
Im vierten Viertel ist alles blau: die Verkehrsampeln, die Brücken, die Schiffe, die Erwachsenen und die Kinder.
Wenn die Kinder geboren werden, sind sie bunt. Die Erwachsenen schauen ihre Kinder mit ihren blauen, gelben, roten oder grünen Augen and und streicheln sie mit ihren Händen, bis sie endlich rot, gelb, grün oder blau geworden sind.
Einmal kam in Grün ein Junge zur Welt, den sie Erbs nannten. Er war mit einem Jahr immer noch bunt. Das war sehr beunruhigend. Doch dann wurde er doch noch grün.
Im Vier-Farbenland lernen die Kinder nur das Wichtigste, nur ihre Farbe ist richtig.
In Rot erklingt das Erdbeermarmeladenlied. Leuchtreklamen teilen mit: Grün, Gelb und Blau ist gelogen! In Rot spielen die Kinder das große Rotspiel. Sie werfen Tomaten in den Sonnenuntergang. Sie fühlen alles rot. Manchmal ist ihnen, als fehle etwas.
In Blau tanzen die Kinder den Pflaumentango. Auf vielen Plakaten steht: Blau, Blau, Blau! Die Kinder machen Farbenratespiele. Sie sagen: "Himmel" - alle rufen "Blau!". "Wellensittich" - "Blau!" usw. Wenn sie müde sind, denken sie an blaue Musik, blaue Orangen und blaue Pferde. Auch ihre Zahnschmerzen sind blau!
In Gelb setzen die Kinder ihre gelben Mützen auf und singen das Zitronenlied. Sie lassen Kanarienvögel fliegen und träumen gelb. Sie träumen von Löwenzahn, Postautos und Glühwürmchen. Wenn sie aufwachen, sind sie ein bisschen unzufrieden. Sie wissen aber nicht warum.
In Grün hat Erbs einmal einen Roboter mit grünem Käse gefüttert. Da konnte der Roboter drei Tage nur piperlapop sagen. Das gefiel allen Kindern. In Grün spielen die Kinder Kaktusspringen und Froschhüpfen. Sie wünschen sich grüne Wünsche wie zum Beispiel Salat mit Schnittlauch oder fünf Meter Gartenschlauch. Nur Erbs wünscht sich eines Tages einen roten Punkt. Gut, dass es die Polizei nicht weiß.
Eines Tages geschieht etwas Überraschendes:
Mitten in Grün wächst eine gelbe Rose. Die Leute verziehen angeekelt ihre Gesichter. Nur Erbs freut sich über die Rose und ihre schöne Farbe. Da kommen 35 Polizisten und beseitigen die gelbe Rose.
An diesem Tag reicht es Erbs. Er lässt seinen Löffel in den Spinat fallen, dass es nach allen Seiten spritzt. Dann läuft er zum Mittelpunkt des Landes. Er schaut in die anderen Landesteile und sagt: "Alle Farben sind schön. Es muss sich etwas ändern!" Dann spuckt er auf die Kreidestrichgrenzen und scharrt mit dem Fuß, bis die Kreide weg ist. Die Kinder aus den anderen Vierteln schauen ihm zu. Dann machen sie es ihm nach. Alle Grenzen verschwinden. Die Kinder fassen einander an, dann fangen sie zu spielen an und vergessen, was Lautsprecher, Plakate, Roboter und Leuchtreklame sagten.
Ganz langsam werden die Kinder wieder bunt. Jedes Kind kann jetzt in jeder Farbe denken, fühlen, träumen und sich etwas wünschen. Jeder verseht jeden. Sie werden eine große, bunte Gemeinschaft.

                                                              
                                                        

 

 

 


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